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Was wir lange vermutet haben wird jetzt bestätigt. Die Mehrheit der Menschen hat nen Vogel im Gehirnli..... und ist ziemlich affig...
02. 10. 2020
Das Gehirn von Vögeln ist unserem ähnlicher als gedacht. Deshalb haben sie womöglich auch Bewusstsein
Rabenvögel können es bezüglich Intelligenz locker mit Menschenaffen aufnehmen. Nun haben Forscher bei Krähen eine neuronale Signatur für eine bewusste visuelle Wahrnehmung gemessen.
Lena Stallmach 25.09.2020, 05.30 Uhr

Die neuronale Organisation von Vögeln und Säugetieren ist zwar unterschiedlich, befähigt sie aber zu vergleichbaren kognitiven Leistungen.
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Charles Bukowski zum 100. Geburtstag -Alle reden zu viel
Von Knut Benzner
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Charles Bukowski 1978 in der französischen TV show "Apostrophes". (imago / Zuma Press / Ulf Andersen)
Charles Bukowski (1920–1994) im Jahr 1978 in einer französischen TV-Literatursendung (imago / Zuma Press / Ulf Andersen)
Charles Bukowski gilt als ein ungehemmter Schriftsteller: schlampig, unsozial und frei. Mehr als 40 Bücher hat der Außenseiter geschrieben, er wurde verachtet, aber auch verehrt – vor allem in Deutschland. Vor 100 Jahren wurde Bukowski geboren.
Heinrich Karl Bukowski, später genannt Charles, wird am 16. August 1920 als einziges Kind der Eheleute Katharina Fett aus Andernach und Henry Heinrich Bukowski geboren. Der Vater ist ein deutschstämmiger Amerikaner aus Pasadena, Kalifornien und ist Sergeant. Nach seinem Dienst als Besatzungssoldat der Armee wird Henry Bauunternehmer. Er gerät in finanzielle Schwierigkeiten und kann seinen Lebensunterhalt nicht mehr verdienen.
Kindheit und Wanderjahre
Die Mutter arbeitet als Näherin. Laut Charles ist sie still, mit einem blassen, runden Gesicht und großen Augen. Der Vater hat derbes, lockiges Haar, eine große Nase, einen großen Mund und buschige Augenbrauen. Er ist oft wütend und schreit viel herum. Charles hasst seinen Vater, der ihn aufs Übelste verprügelt und misshandelt. Im Frühjahr 1923 beschließt Henry, mit seiner Familie in die USA zu fahren, von Bremerhaven nach Baltimore in Maryland.

Heinrich Karl, Charles oder Hank genannt, wächst in Amerika auf und spricht Englisch mit einem starken deutschen Akzent. Von den anderen Kindern wird er aufgrund seiner Herkunft gejagt und muss lernen, schneller zu sein als die anderen. 1924 zieht die Familie Bukowski nach Los Angeles, 1931 wird Charles eingeschult. 1936 wird er aufgrund seiner starken Akne vom Unterricht befreit. Er besucht regelmäßig die Bücherei und liest Sinclair Lewis, D.H.Lawrence, John Dos Passos, Sherwood Anderson, Ernest Hemingway und russische Autoren.
1939 schreibt er sich am Los Angeles City College für die Fächer Journalistik, Englisch, Wirtschaft und Public Affairs ein. 1941 verlässt er nach einem Krach mit dem Vater sein Elternhaus. Er bricht sein Studium ab und jobbt hier und da. Das ist auch der Beginn seiner Wanderjahre, es geht nach New Orleans, weiter nach Atlanta in Georgia, über Kalifornien, Texas und 1942 nach San Francisco, wo er als Fahrer für das rote Kreuz arbeitet und seine Leidenschaft für klassische Musik entdeckt. Seine bevorzugten Komponisten sind Gustav Mahler, Ludwig van Beethoven, Robert Schumann, Wagner, Bruckner und in späteren Jahren Bach. Er zieht weiter über St. Louis und Philadelphia, wo er zeitweise als Lagerarbeiter tätig ist.
Klassische Musik: Heimat
Über seine musikalische Entdeckung sagt er selbst: „Ich mochte Beethoven, aber bevorzugte Brahms und Tschaikowski. Borodin funktionierte nicht. Chopin war nur manchmal das Richtige. Mozart nur, wenn ich mich gut fühlte, und ich fühlte mich selten gut. Smetana fand ich oberflächlich und Sibelius fürchterlich dunkel. Ives war zu selbstzufrieden. Goldmark hielt ich für sehr unterschätzt. Wagner war ein donnerndes Wunder dunkler Energie. Haydn war Liebe, einfach in Klang verwandelt. Händel schuf Dinge, die deinen Kopf nahmen und hochhoben, an die Decke.“ Musik ist für ihn großartig! Wie eine eigene Welt. Sie beseelt sein Leben und hilft ihm anzukommen. Seine Heimat sind die Sinfonien des 19. Jahrhunderts.
Charles hat mit der Counterculture der 60er Jahre nichts zu tun. Er hasst es, in Gruppen abzuhängen. Über die 68er-Bewegung macht er sich lustig. Er ist nicht Teil dieser Hippiebewegung. Er sieht sich als Einzelgänger und zieht das durch. Andererseits ist ihm klar, dass das sein Klientel ist, weil die seine antibürgerliche Attitüde mochten, deshalb muss er sich mit ihnen gut stellen. Er selbst fühlt sich nirgends anerkannt. Seine Gefühle, Gedanken und Verhaltensweisen folgen einem Schema, das es ihm unmöglich macht, mit Menschen warm zu werden. Er ist wie eingefroren und bezeichnet sich als den „frozen man“. Sein erstes Buch, in dem er diese Erfahrung thematisiert, heißt „Notes of a Dirty Old Man“ und erscheint bei Melzer unter dem Titel „Aufzeichnungen eines Außenseiters“.
Literarischer Erfolg und die Frauen
1970 beginnt Charles die Arbeit an seinem ersten Roman „Post Office“, den er innerhalb von vier Wochen fertig schreibt. Im Oktober begegnet er Linda King, mit der er in den kommenden Jahren eine stürmische Liebesbeziehung hat. 1971 erscheint „Post Office“ und 1972 seine bisherigen Short Stories bei City Lights Books unter dem Titel „Erections, Ejaculations, Exhibitions and General Tales of Ordinary Madness“. Im Mai 1973 erhält er sein erstes Preisgeld vom National Endowment for the Arts in Höhe von 5000 US-Dollar.
1974 erscheint das zweite Bukowski-Buch in deutscher Sprache „Gedichte, die einer schrieb, bevor er im 8. Stockwerk aus dem Fenster sprang“. Am 18. Mai hat er eine Lesung in der Markthalle in Hamburg. Im Sommer unternimmt Bukowski seine zweite und letzte Reise nach Europa, diesmal auch nach Frankreich. In Paris tritt er live in der Talkshow „Apostrophes“ auf und provoziert einen Eklat. Aus diesen beiden Reisen entsteht sein Reiseroman „Shakespeare Never Did This“ und begegnet Barbet Schroeder, dem späteren Regisseur der Bukowski-Tapes und des Films „Barfly“.
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Von sich selbst behauptete Bukowski, dass er die Pausen zwischen seinen kreativen Phasen mit Alkohol und Frauen fülle. Sein literarisches Werk ist quasi ein Spiegel seines Lebens. Politisch wollte er nichts bewirken. Er hatte zwar eine politische Position, die autoritätsfeindlich war, und sympathisierte mit der Arbeiterklasse, aber er glaubte nicht daran, dass man politisch durch Aktionismus etwas verändern konnte.
Bukowskis literarisches Werk ist biografisch akkurat und die Aussagen seiner Geliebten in seinen Büchern decken sich mit seinen – nur die Perspektive ist eine andere. Die wichtigste Frau in Charles Leben war Jane Cooney Baker, seine erste große Liebe, eine Frau, die zehn Jahre älter war als er, mit der er zusammen war, als er Mitte 20 war. Wie er selbst hatte sie ein Alkoholproblem.
Seine erste Ehefrau Barbara Fry brachte eine kleine Literaturzeitschrift heraus, in der einige seiner Gedichte gedruckt wurden. Sie heirateten, aber die Ehe hielt nur wenige Jahre. 1963 dann lernt er Frances Dean kennen und schließt Freundschaft mit ihr. Im Oktober des gleichen Jahres erscheint seine erste große Gedichtsammlung: „It Catches my Heart in its Hands“ mit 777 Exemplaren. Ein Jahr später, 1964 wird Frances schwanger und gebiert am 7. September die gemeinsame Tochter Marina Louise, die er vergöttert. 1970 kündigt Charles seinen Postjob, arbeitet als Schriftsteller und hält Lesungen. Bei seinen Lesungen lernt er viele Frauen kennen, was er in seinem Buch Women (deutsch: „Das Liebesleben der Hyäne") thematisiert. Er führt ein unbeständiges Liebesleben und die Frauen geben sich förmlich die Klinke in die Hand, bis er schließlich Linda Lee kennenlernt, die er später heiratet.
Literarische Rezeption in Deutschland
Benno Käsmayr aus Augsburg entdeckte Bukowski und wurde einer seiner ersten Verleger. Als Verleger bekam er die Anfrage für die Zeitschrift „Gasolin“ zu drucken, wo Autoren wie Raymond Chandler, Neal Cassady, Helmut Eisendle, Sam Shepard, Wolf Wondratschek und Andere veröffentlicht wurden. Die erste Ausgabe enthielt direkt mehrere Gedichte von Charles Bukowski.
Linda Bukowski, Charles Bukowski und Benno Käsmayr in Mannheim, aus dem Buch "Die Ochsentour" © MaroVerlag (Michael Montfort, aus dem Buch "Die Ochsentour" © MaroVerlag)
Linda Bukowski, Charles Bukowski und Benno Käsmayr in Mannheim (Michael Montfort, aus dem Buch „Die Ochsentour“ © MaroVerlag)
Carl Weissner, Herausgeber des Maro Verlags, schloß 1973 einen Vertrag mit Bukowski ab, obwohl dieser von anderen Verlagen rigoros abgelehnt wurde. Es hieß, das sei keine Literatur, die man in Deutschland lesen würde. Der Maro Verlag wurde schließlich zum Verlag von Charles Bukowski.
Armin Abmeier war Verlagsvertreter, Buchhändler und Herausgeber bei Hanser, Schirmer/Mosel und Wagenbach und trug auch dazu bei, dass Bukowski in Deutschland bekannt wurde. Er kannte viele Leute in der Verlagsszene. Zweitausendeins wurde aufmerksam auf ihn und kaufte 90 Prozent der Auflagen ab, die Zweitausendeins dann weiterverkaufte.
Käsmayr schätzte an Bukowski, dass er kein Blatt vor den Mund nahm und für die sprach, denen es in der Gesellschaft nicht so gut ging. In den 70-ern war er genau richtig. Seine Literatur wirkte erfrischend. Auch viele Frauen standen auf Bukowski.
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1982 erscheint Bukowskis Roman „Ham On Rye“ und löst unter Kritikern bares Erstaunen aus ob der literarischen Qualität. In Deutschland wird das Buch unter dem Titel „Das Schlimmste kommt noch“ zum wohl beliebtesten Bukowski-Roman. 1985 heiraten Linda und Charles. 1987 kommt der Film „Barfly“ heraus, für das er das Drehbuch geschrieben hat.
Die späten Jahre
Mit zunehmendem Alter wurden Bukowskis Prosa und Gedichte schlanker, so als ob er keine Zeit vergeuden wollte. Er schmiss alles raus, was er für Ballast hielt. Immer häufiger schrieb er seinen Freunden über seinen schlechten Gesundheitszustand und sagte, dass er keine Angst vorm Sterben habe. Zwei Jahre vor seinem Tod gab er zu, dass Ruhm und Reichtum nicht zu verachten seien, sehnte sich aber nach den alten Tagen zurück, in denen er noch unbekannt war. Auf die Frage nach dem Geheimnis seines Erfolgs antwortet er: „Es war nur harte Arbeit, tagein tagaus harte Arbeit, und das Gefühl, dass man glücklich dabei war.“
Häufig wurde ihm vorgeworfen, dass er ein trivialer Autor sei, nur über Sex und Saufen schreibe und darüber hinaus sexistisch sei. Sein Frauenbild war eher traditionell. Gleichzeitig wurde er von der 68er-Bewegung gefeiert. Vor allem ist er zeitlos, weil seine Themen zeitlos sind und alle betreffen, in jeder Gesellschaft. Er selbst sagt von sich:
„Man macht mich viel mutiger und begabter, als ich es gewesen bin. Es wird übertrieben ... die menschliche Rasse übertreibt alles. Ihre Helden, ihre Feinde, ihre Bedeutung.“
Am 9. März 1994 stirbt Charles Bukowski an einer Lungenentzündung., nachdem sein Abwehrsystem vom Krebs zu geschwächt war. Auf die Frage nach dem Sinn des Lebens antwortete er in einem Interview: „So'n Scheiß – nächste Frage.“
 
https://www.deutschlandfunkkultur.de/charles-bukowski-zum-100-geburtstag-alle-reden-zu-viel.1024.de.html?dram:article_id=482256&utm_source=pocket-newtab-global-de-DE
 

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Der Fall der Hagia Sophia als Warnung an Europa
 
16.07. 2020
 
Gastbeitrag: Kulturerbe und Stefan Zweigs Mitteilungen
 
Stefan Zweig: Der Fall der Hagia Sophia als Warnung an Europa
  1. Juli 2020 Kulturerbe Kommentare deaktiviert für Stefan Zweig:
    Der Fall der Hagia Sophia als Warnung an Europa

Iwan Aiwasowski - Ansicht Konstantinopels (Wikimedia Commons/gemeinfrei)
Die geplante Umwandlung der Hagia Sophia in Istanbul (dem ehemaligen Konstantinopel) in eine Moschee unterstreicht, dass sich die islamistische Regierung der Türkei zunehmend als Gegner Europas versteht. Der Schriftsteller Stefan Zweig (1881-1942)

 
hatte die symbolische Bedeutung der Eroberung der Kirche durch die Osmanen im Jahre 1453 in seinem Band „Sternstunden der Menschheit“ beschrieben. Den Fall Konstantinopels deutete er als historische Warnung an Europa, dem das gleiche Schicksal drohe, wenn es ihm an Wachsamkeit und Verteidigungsbereitschaft gegenüber den radikalen Strömungen im Islam mangele, die es seit über 1400 Jahren bedrohen.1
Hintergrund
Die Hagia Sophia war ein Jahrtausend lang die Krönungskirche der byzantinischen Kaiser und gehört zu bis heute zu den wichtigsten Bauwerken des christlichen Kulturerbes. Die Kathedrale wurde im Zuge der Vernichtung des Byzantinischen Reiches durch die Osmanen 1453 unter Mehmed II. in eine Moschee umgewandelt. Während der Herrschaft Atatürks wurde sie 1934 zu einem Museum.
  • Der Fall Konstantinopels sowie die Umwandlung der Hagia Sophia in eine Moschee gelten für Islamisten als Symbole für den Sieg des Islam über das Christentum. Viele türkische Moscheen in Europa sind daher nach Mehmed II. bzw. nach dessen Beinamen „Fatih“ („Der Eroberer“) benannt.
  • Der im sunnitischen Islam weltweit sehr einflussreiche und auch bei Islamverbänden in Deutschland positiv angesehene islamische Rechtsgelehrte und Prediger Yusuf al-Qaradawi kündigte unter Bezugnahme auf dieses Motiv an, dass der Islam als „Eroberer und Sieger“ nach Europa zurückkehren werde. Nach Konstantinopel müsse auch Rom fallen.
Mit ihrer aktuellen Entscheidung knüpft die türkische Regierung somit an ein wichtiges islamistisches Propagandamotiv an, was von ihren Anhängern auch dementsprechend verstanden wird. Regierungsnahe türkische Medien begrüßten die Maßnahme daher als bedeutenden Schritt im islamischen Kampf gegen „Kreuzfahrer“, was in der islamistischen Propagandasprache ein Synonym für Christen ist.
Die schützenden Mauern Konstantinopels
Während Europa in der Erzählung Zweigs gleichgültig gegenüber der Gefahr ist, dass die „Hagia Sophia, die herrlichste Kirche des Abendlandes, in Gefahr schwebt, eine Moschee des Unglaubens zu werden“ und „noch immer nicht die Gefahr für die Kultur des Abendlandes“2 erkennt, bewahren nur seine Mauern Byzanz vorläufig noch vor dem Untergang. Diese Mauern, die „von jedem Kaiser der tausend Jahre abermals ergänzt und erneuert“ wurden, schützen die Stadt nicht nur vor „dem zügellosen Ansturm der Barbarenhorden und den Kriegsscharen der Türken“, sondern sind auch ein Symbol für seine Kultur.3
Die Worte Zweigs stellen zugleich auch eine Anklage gegen utopische Ideologien dar, die Mauern und Grenzen als mutmaßliche Ursache von Unfrieden und Ungleichheit ablehnen und durch ihre Abschaffung eine bessere Welt zu schaffen glauben. Zweig hingegen bejaht Mauern bzw. verteidigte Grenzen: Keine Stadt Europas sei „fester und besser geschirmt“ gewesen „als Konstantinopel durch die Theodosische Mauer“. Der von Zweig wiedergegebenen historischen Überlieferung nach fiel Konstantinopel, weil seine Mauer eine Lücke hatte bzw. weil es zu offen und zu wenig wachsam war. Seine Verteidiger vergaßen demnach, eines seiner Tore, die Kerkaporta, zu bewachen. Eine Neigung zum Pazifismus, die Zweig nachgesagt wird, ist zumindest in dieser Erzählung nicht zu erkennen.
Der Überlebenskampf einer sterbenden Kultur
Zweig schildert die letzten Tage von Konstantinopel als den Überlebenskampf einer sterbenden Kultur, die noch einmal alle Mittel mobilisiert, über die sie verfügt:
„Damit allen gewärtig sei, was ihnen zu verteidigen obliege: der Glaube, die große Vergangenheit, die gemeinsame Kultur, ordnet der Basileus eine ergreifende Zeremonie an. Auf seinen Befehl sammelt sich das ganze Volk, Orthodoxe und Katholiken, Priester und Laien, Kinder und Greise, zu einer einzigen Prozession. […] Nicht kann er zwar wie Mahomet ihnen unermeßliche Beute versprechen. Aber die Ehre schildert er ihnen, die sie für die Christenheit und die ganze abendländische Welt erwerben, wenn sie diesen letzten entscheidenden Ansturm abwehren, und die Gefahr, wenn sie den Mordbrennern erliegen: Mahomet und Konstantin, beide wissen sie: dieser Tag entscheidet auf Jahrhunderte Geschichte.“4
Für das zu schwach gewordene und von Europa im Stich gelassene Konstantinopel gibt es jedoch keine Rettung mehr, sondern nur eine „unvergeßliche Ekstase des Unterganges“.  In Hagia Sophia ertönt „die ewige Stimme des Abendlandes“ in Form der Chöre der Gläubigen am Vorabend seiner Niederlage daher für viele Jahrhunderte zum letzten Mal.5
Erst rund fünfhundert Jahre später sollte es einem Priester in Begleitung einer Gruppe griechischer Soldaten noch einmal gelingen, die griechisch-orthodoxe Liturgie in der Kirche zu feiern. Der